+124 Nachtschicht.

November 1, 2009

Heute nacht habe ich Dienst in der Bahnhofsmission gehabt. Die BM ist rund um die Uhr besetzt und die Nachtschicht beginnt und endet um 7. Nachtschichten waren in Zeiten normaler Arbeit nicht drin, da nur in der Woche für die Mitarbeiter der evangelischen Seite angefragt. Da ich morgens nicht mit Kundenterminen und Meetings schlaftrunken und übernächtigt weitermachen konnte, blieb es bei seltenen Ausnahmen wie jetzt der Samstag aufgrund neuer Personalpläne. Was ist das besondere daran, dass ich euch davon erzähle ?

Ab 21.30 Uhr wird es leer in der BM an Gleis 11. Die Getränkeausgabe und die Verteilung von Broten endet. Alle Männer müssen dann das Haus verlassen. Für den, der dann noch keine Unterkunft hat, wird es eine lange und häufig auch kalte Nacht werden. Ab 11 treffen dann vereinzelt Frauen und leider oft auch mit ihren Kindern ein, die kurzfristig keine Unterkunft haben. Häufig können sie einfach nicht nach Hause. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Frauen und ihre Kinder dürfen auf Matten und Decken in der BM schlafen, falls keine andere Lösung gefunden wird.

Gestern haben nun 5 Frauen bei uns geschlafen. Die letzte habe ich um 2.00 Uhr morgens in Empfang genommen.  Bis 4.30 war es dann ruhig – abgesehen von dem normalen Lärm des Bahnhofs mit den Ansagen und dem Quietschen der Bremsen von einfahrenden Zügen. Und weil ich so selten nachts auf dem Bahnhof  bin, habe ich einfach meinen Fotoapparat mitgenommen und versucht das Leben auf dem Hauptbahnhof in der Nacht ein bisschen zu dokumentieren. Ihr findet diese auf Flickr – Link unten. Geschlafen hab ich nicht. Um 5.30 stand das erste Mädchen vor der Tür, das in der Disco beklaut worden war und ihre Freundin verloren hatte. Frierend und ziemlich am Ende hat sie dann einen Tee und eine Fahrkarte nach Hause bekommen.

Ab Januar werde ich nach fast 6 Jahren meine regelmässige Arbeit bei der Bahnhofsmission beenden. Ich schätze, dass ich insgesamt 100 Dienste geleistet habe und viele Menschen sind mir dort ans Herz gewachsen.  Ich habe dabei viel Spass gehabt, aber auch die ein oder andere Träne verdrückt, weil das Leben eben auch sehr hart sein kann.
Ich bin aber nun auf der Suche nach einer neuen und anderen Herausforderung.
Falls jemand meinen Platz übernehmen möchte, so würde es mich und Gabriele, die Leiterin der evangelischen Bahnhofsmission, sehr freuen.

Es hat sich gelohnt hinzuschauen und zu helfen, soweit dies möglich ist.

C. – es ist 8.50 und ich gehe jetzt schlafen.

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2 Antworten to “+124 Nachtschicht.”

  1. Elke said

    huhu – flickr link fehlt? oder ich bin noch kurzsichtiger als ich dachte…

  2. cniehage said

    Ganz am Ende der Seite…. so ist bei mir: http://www.flickr.com/photos/kukuna/
    LG CN

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